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Braun-grün auf dem Weg in den Norden – Tag 4
Ich frage mich, warum die Berge grüne Streifen haben…. aber da sind wir noch nicht. Fangen wir wie immer am Abend zuvor an.
Wir waren wieder im Pub. Meine Füße und mein Knie beschweren sich lauthals, als ich wieder aufstehe, weil es an der Tür klopft. Gü steht da, er ist fertig, wir können los. Na gut, Hunger habe ich.
Wir sind wieder im gleichen Pub wie gestern. Nur dieses Mal bekommen wir einen Tisch im Fenster. Man kann dem Treiben auf der Straße folgen und hat trotzdem seine Ruhe. So ein Stuhl ist schon besonders. Ich fühle mich, als wäre ich nur 1,20 m groß.
Es wird später und wir müder. Auch ein Tag in der Stadt ist anstrengend.
Am nächsten Morgen machen wir uns wieder zu unserem Lieblings-Costa auf. Wir kommen mit dem netten Verkäufer etwas mehr in Kontakt, es ist nichts los. Wer wir sind, was wir hier machen, etc. Wir fragen auch… er ist Italiener aus der Grenzregion zu Kroatien. Er findet, es sei zu kalt in Schottland, ist aber glücklich. So, jetzt wissen wir mehr 😀
Nach dem Frühstück die Motorräder bepacken, auschecken und losfahren.
Die ersten 30 Meilen sind eher langweilig. Wir würden es als Autobahn bezeichnen, hier ist es eine A Road. Zweispurig in beide Richtungen, baulich getrennt. Danach geht’s vor Perth auf die Landstraße. Und es wird direkt schön.
Die Straße windet sich links und rechts hoch und runter durch leichten Wald und Wiesen. Wie Achterbahn fahren. Ab und zu höre ich aus dem Funk ein „Huiiiiiiiii“, wenn wir über eine Kuppe fahren. Manchmal höre ich es auch von mir selbst.
Irgendwann geht’s dann immer höher und die Bäume werden rar, bis sie weg sind. Hier ist es bewachsen mit Sträuchern, die etwa 50 cm hoch sind. In der Ferne sieht man die Berge, und auf den Bergen sind neben den braunen Sträuchern hin und wieder grüne Flächen, als hätte da jemand stellenweise gemäht. Was das genau sein soll, ist uns unklar. Später kommen wir an einem Café vorbei und machen Pause. Wir sitzen draußen auf dem Balkon. Neben uns ein Pärchen aus Newcastle. Der Hund von denen hört auf den Namen Jürgen Klopp – so ein Fußballtrainer lass‘ ich mir sagen. Jaja, kenn ich, wir kommen auch aus Deutschland… zack im Gespräch….
Ein ein paar Sätzen frage ich die beiden, ob die eine Ahnung haben, was diese grünen Flecken sollen. Sie wissen es nicht so ganz genau, aber die Berge werden hin und wieder brandgerodet, damit die alten toten Büsche verschwinden und etwas Neues wachsen kann. Man lernt wohl nie aus…
Die Straße geht weiter, es geht bis zu 20% Gefälle hoch und runter. Die armen Radfahrer, die wir überholen oder die uns entgegenkommen. Das ist echt eine brutale Steigung.
Wir kommen in Inverness an, keine schöne Stadt, aber sie liegt halt praktisch. Das Gästehaus wird von einem indisch aussehenden Engländer betrieben. Nachdem wir das Zimmer begutachtet haben, wir haben ein Doppelbett mit einer Decke, fragen wir ihn, ob wir noch eine zweite Bettdecke haben können. So wie er reagiert hat, hat das noch niemand gefragt. Aber wir bekommen sie. Direkt danach checken wir die kommenden Hotels auf das, was wir gebucht haben. Eine einzige Unterkunft könnte uns nochmal in ein Ehebett mit einer Decke stecken, also schnell mal geschrieben, ob wir zwei Decken haben können…. Sicher ist Sicher.
Nachdem wir etwas zu essen gefunden haben, trennen sich unsere Wege. Gü will noch Livemusik, ich möchte meine Ruhe. Beim Verabschieden werden wir uns über die Zeit einig, wann er ins Hotel kommt… So um neun oder zehn. Vielleicht elf. Möglicherweise aber auch kurz danach um Mitternacht oder ein Uhr bis zwei Uhr… Wir halten fest, um 8:30 gibt’s Frühstück…








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Edinburgh – Tag 3
Der Timer klingelt. 18 Uhr. Wir wollen noch etwas Kleines essen, haben aber keine Ahnung, was es hier in der Gegend gibt. Nachdem wir im Hotel angekommen sind, haben wir es uns erstmal gemütlich gemacht und ich habe eine lange Dusche genossen. Was für ein Tag! 300 mi, die Hälfte davon Landstraße. Wie wenn man von Köln nach München fährt und ab Würzburg nur noch über kleine Landstraßen fährt. Schön, aber anstrengend.
Wir gehen los und schauen mal, was es so gibt. Als erstes schauen wir, wo wir morgen frühstücken könnten. Im Tesco um die Ecke gibt es ein Costa. Tesco ist der Edeka von UK, und Costa ist überall da, wo es kein Starbucks hingeschafft hat. Frühstück ist also geklärt.
Direkt nebenan ein Pub. Genau so, wie man sich ein Pub vorstellt, nur dass dieser hier ca. 400 verschiedene Whiskeys auf der Karte hat. Für uns egal, da wir keinen trinken.
Nach einer Kleinigkeit zu futtern, geht’s dann ins Bett.
Am nächsten Morgen dann erst in den Costa, danach mit Öffis Downtown. Wir nehmen den Bus, der uns bis zur Southbridge fährt. Von hier sind wir direkt mitten im Getümmel. Alles, was der Touri braucht. Wir gehen natürlich sofort in den ersten Touri-Laden. Ich denke mal, im Rest von Schottland wird es schwierig, diesen Schottland-Merch zu finden, und als Mitbringsel taugt das Zeug schon echt gut. Es bleibt nicht bei einem dieser Läden. Am Ende haben wir ca. 10 davon von innen gesehen. Alle nahezu identisch, nur je näher man der Burg kommt, desto teurer werden sie.
Wir waren dann auch noch in einem Laden, der traditionelle Tartan-Stoffe herstellt. Da kostet dann mal ein Schal auch 180 Pfund.
Kurz geschaut, was die für die Burg haben wollen, aber für 25 Pfund pro Nase sind wir zu geizig. Der Vorplatz der Burg ist bereits für das Tattoo in ein Stadion umgebaut. Ich hab den Eindruck, dass die 4 Monate aufbauen und 4 Monate abbauen… warum lassen sie es nicht einfach immer stehen. So oder so immer hässlich, aber dann nicht so viel Baustelle… Nunja
Wir gehen weiter in das National Science Museum (oder so) nicht wegen dem, was sie ausstellen, sondern wegen des Gebäudes selbst. Die große Halle ist im viktorianischen Stil sehr grazil und hell gehalten. Die Halle ist bestimmt 20 m hoch und 100 m lang und in drei Etagen aufgeteilt. Hier genehmigen wir uns noch einen Kaffee, danach geht’s weiter die Royal Mile weiter runter bis zum Parlament. Auf den Fotos ist es echt ein schönes Gebäude, man sieht nur nichts davon, weil man den schönen Teil als Touri nicht sehen kann. Dafür müssten wir vermutlich einbrechen oder Abgeordnete werden. Beides nicht so richtig auf der Bucketlist.
Danach wieder den Berg rauf etwas zu futtern suchen. So langsam sagt mein Knie, dass es genug hat. In einem Einkaufszentrum werden wir fündig. Wir futtern etwas und für mich geht’s zurück ins Hotel, Füße hoch. Gü ist noch weiter die Gegend unsicher machen….
Gleich vermutlich wieder den DEN Pub… wir sind ja Gewohnheitstiere.









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Reisezeit – Tag 2
Was willst du denn trinken? frage ich, nachdem ich den Laptop weggelegt habe. Wir gönnen uns noch ein Kaltgetränk in der Bar. Die Aussicht zieht inzwischen an uns vorbei, wir fahren… langsam, aber wir fahren. Beim Verlassen des Hafengebiets in Rotterdam fachsimpeln wir über die Schiffe, die wir am Horizont sehen, beide keine Ahnung und das Internet schwindet. Beste Voraussetzungen für die wildesten Ideen.
Etwas später gehen wir dann auf die Jagd nach etwas zu essen. Es wird eine Pizza werden. Für ein 30-Pfund-Buffet sind wir nicht hungrig genug und für Ala carte sind wir zu geizig. Also was aus dem Onboard Costa. 15 Pfund für eine Pizza ist schon viel, aber OK in Anbetracht, dass wir auf einem Schiff sind. Irgendwann geht mir der Trouble auf die Nerven und ich entschließe mich, in unsere Luxus-4-m² zurückzuziehen. Ich lege mich ins obere Bett und schaue Quatsch, den ich auf dem Handy gespeichert habe. Kein Internet ist man echt nicht mehr gewohnt.
Irgendwann kommt auch Gü durch den Westflügel in die große Halle geschritten. Die Nacht ist viel zu warm, aber sonst ereignislos.
Piiieeep Piieeeep macht es morgens um 6 (Ortszeit UK). Mein Handy ist noch der Meinung, wir seien in MESZ… gnarf. Also nochmal die Augen zu und versuchen, was zu schlafen, leider erfolglos. Irgendwann werden wir dann von unseren Nachbarn und einer Durchsage, dass das Frühstück geöffnet sei, wach. Auf Frühstück haben wir beide keine Lust, also in Ruhe packen und anziehen.
Als das Schiff dann angelegt hatte, durften wir auch irgendwann auf das Autodeck. Was wir bis dahin nicht wussten, wir sind mit einer Horde Lambretta-Fans gereist. Tolle Mofas aus den 60ern und später. Manche bis zur Unkenntlichkeit umgebaut, andere liebevoll restauriert. Aber irgendwie haben die alle den Knall nicht gehört. Kaum auf dem Autodeck machen die ihre Zweitakter an. Schnell wird die Luft von halb verbranntem Zweitaktgemisch verdrängt, es ist ekelhaft. Jede Disco wäre auf diesen Nebel neidisch. Abgesehen vom Gestank ist es auch superlaut….
Nach einer wenig spannenden Unendlichkeit und einem netten Einwanderungsbeamten landen wir bei Starbucks. Frühstück…
Jetzt geht’s ans Strecke machen.
Sagen wir mal so, die Fahrt war in zwei Teile zu unterteilen: den ätzenden und den schönen Teil.
Der ätzende Teil war nur Autobahn. Zwischendrin auch unangenehm voll, aber trotzdem sind wir gut durchgekommen. Zwischendrin musste ich auch an Lyrik denken. Nicht die schwere Kost, sondern dieses kleine Gedicht:
Im Süden die Berge,
Im Norden das Meer,
dazwischen Teer.
Aber da gibt es doch mehr,
ja genau,
Stau!
– Mark Uwe Kling *Gü wollte sich nach Möglichkeit eine Kirche bzw. Burg anschauen… die Möglichkeit hat sich nicht ergeben, aber danach wurde die Strecke echt schön. Die A68 ist wirklich eine schöne Straße. Bei bestem Motorradwetter haben wir die Grenze zu Schottland erst erreicht, danach sogar, haltet euch fest, überfahren. Auf dem Weg haben wir noch ein paar Steine in Jedburgh angesehen. Hier stand mal ein Kloster der Augustiner-Mönche. Kommentar von Gü – wusste ich doch, irgendwas mit Bier. 😀
Hier haben wir bei Fish & Chips noch einen ehemaligen Deutschen kennengelernt, der aus Berlin nach Schottland gezogen ist. Ich glaube, ihm gehört die Fish & Chips-Bude.Jetzt sind wir in Edinburgh angekommen. Das Hotel ist okay, und gleich schauen wir nochmal, was hier in der nahen Umgebung noch so passiert.
* Wäre ich Mark Uwe, stünde hier jetzt eine Anmeldung des Känguru, bin ich aber nicht, also steht hier nix. Vielleicht wäre das Gedicht aber dann auch falsch zitiert oder zugeordnet worden. Lustiger wäre es ja von Michael Schumacher oder so. Nun ja, wir werden es nicht erfahren, das Känguru war für eine Überarbeitung des Textes leider nicht verfügbar.












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Schottland – Tag 1
Der erste Tag beginnt. Es wird ein eher unspektakulärer Tag und auch nicht in Schottland, sondern es geht von zu Hause nach Rotterdam. Autobahn fahren, naja, muss wohl sein.
Soweit ist es aber noch nicht; nach dem ersten Kaffee folgt der zweite. Wir haben noch Zeit und liegen auf der Couch – vorknuddeln für die nächsten zwei Wochen.
Wir schauen die Sendung mit der Maus. Draußen ist das Wetter so mäßig gut. Bewölkt, aber es regnet nicht. Ich habe schon die letzten Dinge auf das Motorrad gepackt, und es könnte losgehen.
Nach einer Scheibe Brot, einer Dusche und der Verabschiedung von allen geht’s dann auch los – ich muss sagen, als Single war das einfacher. Die Menschen hinter sich zu lassen, auch nur für zwei Wochen, ist schon schwer.
Die ersten Kilometer sind nicht so schön, 13 °C und Nebel, der sich auf den Klamotten und dem Motorrad niederschlägt. Kurz vor Euskirchen komme ich dann aus der Wolke raus, und es wird trocken. Kurze Zeit später treffe ich Gü bei dem Rastplatz Bedburger Land. Ein dritter Kaffee und etwas zu trinken für das Motorrad später geht’s weiter. Noch 280 km bis Rotterdam – easy.
Nach zwei weiteren Stopps, einer davon mit besonders gesundem Essen, kommen wir an. Es ist wirklich ereignislos… inzwischen ist aber die Sonne raus und wir haben 22°C. Noch ein Tankstopp und dann direkt zur Fähre. Ab 16 Uhr beginnt das Boarding. Ungewöhnlich, so fährt das Schiff erst um 20:30 Uhr los. So viel Zeit vorher hatte ich bisher bei keiner Fähre. Selbst die Fähre nach Island hatte nur 3 Stunden Aufenthalt. Die Liegekosten scheinen nicht sehr hoch zu sein, bzw. egal, weil P&O einen eigenen Anleger hat. Nun ja, sei wie es will. Irgendwann nach Buchungskontrollen, Passkontrollen und Kontrollkontrollen kommen wir aufs Schiff.
Wie üblich müssen wir bzw. ich die Motorräder selber sichern. Die Spanngurte sind wie immer total ausgelutscht, und sollte eine Welle das Schiff erfassen, halten diese Dinger gar nichts. Hoffen wir mal auf gutes Wetter. Kurz noch die Sachen für an Bord gepackt und los geht’s.
Schwitzend vor Hitze beladen wir uns und gehen los. Jede Sauna wäre neidisch auf die Temperatur in meiner Motorradkombi. Immer wieder das Gleiche, ich glaube, so etwas geht nicht angenehm. Egal wie, auf zur Kabine. Innen, kein Fenster und Klappbetten sind unser Reich für eine Nacht. Ganze 5 m² für zwei Personen, schade, ich wollte mit Gü gerade Tango tanzen.
Nachdem wir uns was Bequemes angezogen haben, erkunden wir das Schiff. Übersichtlich, aber hinreichend. Es erinnert mich eher an eine Partymeile. Mir wird klar, warum P&O Mini Cruises anbieten, bei denen Leute einfach nur ein bisschen durch die Gegend shippern und Geld verzocken. Wieso Menschen das machen, erschließt sich mir aber nicht.
Wir sitzen in der Sky Lounge. Die Aussicht über den Europort Rotterdam ist super, auch wenn das Motiv der Betrachtung außer einem gewissen Industriecharme wenig zu bieten hat. So warten wir auf die Abfahrt…..
Mögen die Winde und Wogen mit uns sein…





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Prolog – Schottland
So langsam kämpft sich mein Bewusstsein nach vorn, ich merke, ich schlafe noch. Was ich träume, ist egal, aber irgendwas passt nicht.
Ich werde etwas wacher… es rauscht und nicht im Traum, sondern in echt. Ich werde so richtig wach.
Es ist dunkel, so richtig wach werden will ich gar nicht, aber es wird mir bewusst, ich sollte wach werden. Das Rauschen kommt von draußen. Es regnet und wie…Es ist deswegen so laut, weil das Fenster auf ist. Besser, ich mache es zu, bevor wir im Schlafzimmer schwimmen können. Bevor ich das Fenster schließe, schaue ich raus. Man erkennt die Hügel der Eifel nicht mehr; ich schaue vor eine Nebelwand. Mir wird bewusst, dass ich noch ein paar Stunden schlafen kann, und es geht los: das Motorrad ist gepackt und wird draußen nass – muss es wohl abkönnen.
Ich schließe das Fenster mit einem Grinsen im Gesicht.
Vor fast einem Jahr fragte mich meine Mutter, ob ich wieder Seniorenbetreuung machen will. Ziel ist Schottland. Ich musste ein bisschen mehr nachdenken, ob ich da Bock drauf habe, als vor drei Jahren in Island. Am Ende hab ich mich aber mit der Idee, Motorradurlaub mit meinem Stiefvater, angefreundet. Seniorenbetreuung, ich weiß nicht, ob es das ist, mehr Senioren-IT-Schulung mit landschaftlicher Begleitung – grins.
Ich geh wieder ins Bett. Es überkommen mich mal wieder die Gedanken, die man vermutlich immer vor einer Reise hat: habe ich alles gepackt, klappt das mit der Fähre, wird der Wecker funktionieren und komme ich rechtzeitig raus… Aber was kann ich jetzt noch ändern? Also schlafe ich wieder ein.
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Der letzte Tag
Leider, jeder Urlaub geht irgendwann mal zu Ende. Der letzte volle Tag hat begonnen. Heute werde ich jedoch mit Sonnenstrahlen geweckt. Das ist in den letzten Tagen eher selten der Fall gewesen, aber eine willkommene Abwechslung. Es ist 7 Uhr morgens, und ich habe Frühstück gebucht. Das geht aber erst um 8 Uhr los. Also erstmal einen Kaffee machen und gemütlich den Tag beginnen. Ich bleibe ganz schluffig im Bus und lümmele mich auf den gedrehten Beifahrersitz. Mit einem Kaffee in der Hand schaue ich, was so in der Welt los ist. Irgendwie eine blöde Entscheidung, so richtig gute Nachrichten sind da nicht dabei.
Um 8 Uhr geht es dann zum Frühstück. Ich finde es etwas lieblos und übersichtlich, aber in Norwegen für 12€ kann man wohl nicht mehr erwarten. Es reicht, ich werde satt und es war lecker. Danach geht es los. Weiter Richtung Süden, in den Ort, wo alles angefangen hat: Mandal. Eine kleine Hafenstadt am Skagerrak. Als erstes geht es wieder die Serpentinen hoch bis oben auf den Kjerag. Zum Glück kommt mir niemand entgegen, die wollen um die Uhrzeit alle hoch, nicht runter. Oben angekommen mache ich noch ein paar Fotos, und dann geht es über den Pass wieder zurück nach Suleskard. Von da aus ist es wirklich nur noch nach Süden. Die Strecke selbst ist super zu fahren, aber eher uninteressant, ab und zu kommt eine sehenswerte Landschaft, aber selten kann man auch sicher anhalten.
So komme ich ohne größere Umwege oder Verzögerungen in Mandal an. Ich parke mitten in der Stadt. Hier, wie auch in anderen Städten in Norwegen, kann man das Parkticket mit einer Handy-App bezahlen (Easypark). Super einfach, verleitet aber dazu, viel zu viel Geld einzuzwerfen, obwohl man von unterwegs das Parkticket verlängern kann. Im Hafen finde ich dann eine Eisdiele, die mir für 5€ einen riesigen Becher Eis verkauft. Eher eine ganze Mahlzeit als ein Snack.
Mandal ist für mich auch nichts Neues, ich war hier 2017 schon einmal. Neben dem Eis gibt es noch einen Kaffee in einem Café, danach geht es dann weiter. Ich fahre wieder den Parkplatz der ersten Nacht an, ich weiß, hier parkt es sich gut und ich komme schnell nach Kistansand.
Und damit geht der letzte Tag auch schon wieder zu Ende. Morgen noch Süßigkeiten kaufen und ab auf die Fähre. Die geht um 16 Uhr und kommt um 20 Uhr in Hirtshals an. Von dort will ich noch bis hinter Hamburg kommen, um morgen dem Berufsverkehr dieser Metropole zu entgehen. Hoffentlich klappt alles, und dann steht übermorgen nur noch die A1 und das Ruhrgebiet an.
Ich melde mich erstmal ab, vielleicht gibt es noch einen Epilog, wer weiß.







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Ab in den Süden
Noch zwei volle Tage in Norwegen, ein bisschen wehmütig wache ich auf. Ich habe extrem gut auf dem Parkplatz geschlafen. Der Wind war okay, der Verkehr weit genug weg, dass ich ihn nicht mitbekommen habe. Ein bisschen verschlafen mache ich mir erst einmal einen Kaffee. Mit dem Kaffee in der Hand genieße ich etwas Ruhe am Fjord. Ich stehe bei leichtem Nieselregen draußen, es ist kalt und die Wolken hängen tief. Ich genieße die frische Luft, es riecht nach Meer, nach Wald und nach Gras. Ich fühle den Wind, wie er um mein Gesicht fährt. Dazu einen heißen Kaffee… es geht kaum besser.
Irgendwann fahre ich dann weiter, das Wetter bleibt durchmischt. Es geht erstmal die E134 ins Landesinnere bis nach Edland. Die Strecke ist extrem gut ausgebaut, da sie viele Skigebiete versorgt. Links und rechte immer mal wieder eine traumhafte Landschaft. Es bleibt kalt und der Wind nimmt in der Höhe zu. Die Wolken umschmeicheln die Berge und verschlucken sie hin und wieder.
Von der E134 geht es auf die E9, die deutlich weniger gut ausgebaut ist, aber immer noch einfach zu fahren. Irgendwann geht es dann auf eine kleine Straße ab. Wenn Straßen in Norwegen keine Nummern mehr haben, sondern Namen, dann wird es interessant. Die Straße, die ich nehme, heißt Suleskardveien. Es geht für 70 km kleinste Straßen entlang, die kaum breiter als 4 m sind. Jeder Gegenverkehr wird zum Abenteuer, jede Blinde Kurve zum Überraschungspaket. Ich fahre an diesen Stellen keine 30 km/h, die Norweger sehen dann deutlich gelassener und brezeln hier auch durch die unübersehbarsten Kurven mit 80.
In Suleskard biege ich dann für die letzten 30 km auf die Straße ab, die mich in den Lysefjord bringt. 30 km Single-Track Road, auf der man für Gegenverkehr schon mal rückwärts fahren muss. Busfahrer fahren hier, als gehöre die Straße ihnen, und alle anderen seien nur geduldet, aber nicht sehr beliebt. Diese Gattung an Fahrenden gehört eh zu meinen absoluten Lieblingsmenschen… nicht! Auch hier scheint es, sie versuchen alle umzubringen.
In Lysebotn angekommen, besuche ich einen Campingplatz, den ich zuletzt 2012 besucht habe. Von 12 Jahren her war das eher ein schlechter Campingplatz, aber die Aussicht ist der Hammer. Von hier aus kann man nahezu den gesamten Fjord entlang schauen. Der Lysefjord ist fast gerade, sodass die Aussicht überwältigend ist. Der Campingplatz hat zu meinem Erstaunen echt viel gemacht. Es gibt ein neues Sanitärhaus, das war beim letzten Mal eher ein Bauwagen, der mit Schimmel durchzogen war. Außerdem gibt es eine Bar/Restaurant. Ich versuche dann morgen mal das Frühstück dort. Für 12€ wird es nicht der Brüller sein, aber selbst wenn es unterirdisch ist, der Verlust hält sich in Grenzen. Mehr dann dazu morgen. Ich genieße jetzt die Aussicht!











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Die letzen Tage
Leider geht jeder Urlaub einmal zu Ende. So auch meiner. Die letzten Tage haben begonnen, und ich fahre nun wieder gen Süden. Ich habe noch drei Tage, bevor meine Fähre geht. Ich breche morgens in Bergen auf, nachdem ich Müll entsorgt, Wasser aufgefüllt und abgelassen habe, geht es los.
~Es ist recht uninteressant, Die Europastrassen in Norwegen sind zu vorwärskommen, nicht für die schöne Aussicht. Nimmt man sich doch was Zeit und schaut links und rechts beim Fahren, dann hat man direkt irgend welche ungeduldigen Brummi Fahrer hinter sich.
Irgendwann wird es doch schöner und ich muss auch Fähren fahren. Das ist immer eine willkommene Abwechslung. Fähren in Norwegen sind inzwischen super easy. Im Vorfeld registriert man sich bei autopassferry und meldet das Auto an. Hier kann man dann wählen, ob man via Transponder oder mit Hilfe der Kennzeichenerkennung bezahlen will. Dann überweist man 2000kr (177€) und das war’s. Am Ende des Urlaubs kann man das abwickeln und bekommt dann den Rest der Kohle wieder zurück. Außerdem kann man damit wirklich sparen, sodass ich nie den „richtigen“ Preis bezahle, sondern immer einen niedrigeren. Meistens bekommt man damit so etwas wie 40% Nachlass, je nach Tageszeit und Wochentag.
Finally, geht es wieder in einen Fjord. Es ist ein Ausläfer des Hardanger Fjords. Ich komme dazu an einem der größten Wasserfälle in Norwegen vorbei, der Langfoss. Ich kenne den Fjord bereits und bin etwas enttäuscht von der geringen Wassermenge, die da runterkommt. Es ist trotzdem beeindruckend, und die Lautstärke ist ohrenbetäubend. Ein Gespräch kann man hier nicht führen. Kurz hinter dem Wasserfall biege ich auf einen kleinen Parkplatz ein, mein Nachtquartier für heute. Weit gekommen bin ich nicht, aber ich muss auch nicht weiter.









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Bergen
Ich steige in den Bus ein, die Linie 29 bringt mich von Bratland nach Nestun. In Nestun steige ich dann in die Straßenbahn 1 ein. Keine 15 Minuten später steige ich bei Nieselregen in Bergen Downtown aus.
Bergen wird als das Tor zu den Fjorden bezeichnet. Warum? Ich weiß es nicht. Bergen ist auch die zweitgrößte Stadt Norwegens mit 270.000 Menschen (nach Oslo mit 670.000 Menschen). Bergen gibt es schon ewig. Damals hat die Hanse hier einen Außenposten an einem bestehenden Dorf gebaut, um einen Handelsposten für Stockfisch, Tran, Leder und lebende Greifvögel zu haben. Im Gegenzug wurden Gewürze, Porzellan und andere verarbeitete Luxusartikel aus den deutschen Hansestädten importiert. Viel mehr habe ich mir nicht merken können. Heute ist Bergen ein Touristenort. Camper und vor allem Kreuzfahrten landen hier und spucken jede Menge Menschen aus. Ansonsten ist der Hafen von Bergen Ausgangsort für viele Offshore-Einsätze für Ölplattformen aller Hersteller.
Für Touristen ist die Brügge, der Stadtteil der alten Hanse, von Interesse. Hier reihen sich kleine, sehr lange Holzhäuser nebeneinander. Direkt an der Kaimauer gebaut, stehen die Häuser inzwischen locker 30m vom Kai entfernt, der vor die Brügge gebaut wurde. Direkt neben der Brügge ist das Brüggemuseum. Hier habe ich einen Blick hineingeworfen. Es ist nicht das erste Mal, aber man vergisst ja schon etwas, und das Museum beherbergt auch eine wechselnde Ausstellung. Aktuell gibt es eine Ausstellung für das erste (sinnvolle) Grundgesetz von Norwegen, das im Jahr 1300 verfasst wurde. Teile dieser Sammlung haben es bis heute in die Verfassung und das Grundgesetz Norwegens geschafft.
Ansonsten habe ich nicht viel gemacht. Ich habe etwas sehr Norwegisches gemacht: Ich war bei Starbucks und habe einen Kaffee getrunken. Es gibt in ganz Norwegen nur 8 Starbucks-Filialen, etwa so viele wie in einem 100-Meter-Radius um einen beliebigen Starbucks in London. Außerdem habe ich im Restaurant „Zum güldenen M“ ein vorzügliches Menü gegessen. Ein Big Mac Menü in Norwegen kostet ca. 17€. Ein Kaffee bei Starbucks kommt mit knappen 10€ für einen großen Cappuccino daher. Teures Land…
Viel mehr Berichtenswertes habe ich nicht gemacht. Eine Ausstellung über Streetart, bei der nur Bilder von Streetart gezeigt wurden, mit mehr Text, als man an einem Tag lesen kann, war eher ein Flop. Aber das war kostenlos… und leider umsonst. Danach wieder mit den Öffis zum Campingplatz und die Reste von gestern aufwärmen. Dann ist der Tag quasi schon wieder vorbei.










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Die Götter fahren Ski
Der Tag fängt regnerisch an. Die Nacht am Langvatnet war super. Neben mir parkt um 7 Uhr morgens ein LKW ein, mit dem für LKW typischen Rückwärtsfahrgepiep. Ich bin kurz davor, mich so früh morgens schon aufzuregen, warum der sich mit so einem Dickschiff in so eine kleine Lücke zwängt… Dann sehe ich, der Mensch leert die Mülltonnen. Ich mache mir erstmal einen Kaffee…
Um 8 Uhr geht es dann auf die Straße. Ziel heute ist die Hochebene Jotunheim. Dahin zu kommen ist recht einfach: immer geradeaus und dann links ab. Und keine Stunde später bin ich auch da. Wobei „da“ etwas schwierig ist bei einer Straße, die locker 50 km lang ist. Alle drei Meter könnte man anhalten und irgendwas anschauen. Ich schaffe es nur alle 5 m anzuhalten. Ich brauche ewig für die Strecke, das liegt auch daran, dass es eine single Track Road ist und jedes Mal bei Gegenverkehr muss man schauen, wie man es regelt. So mancher Leihcamper sollte besser nicht verliehen werden, so wird schon mal aus einem 2,30 m breiten Fahrzeug ein 5 m breites und die Menschen am Lenkrad sind dann ordentlich am Schwitzen.
Die elektro SUV Fahrer (es sind alles Männer) sind aber die Besten, die durch die Lücken quer durchkommen würden, aber so viel Platz in Anspruch nehmen, dass es wirklich schon lächerlich ist. So halte ich an um solch ein Individuum durchzulassen und es scheint nicht zu passen.
Dann sehe ich im Spiegel, wie die Frau aus dem Beifahrersitz aussteigt und die Tür ganz aufmachen kann (da ist dann eigentlich die Felswand direkt neben der Straße) und einmal ums Auto herumläuft, um ihrem so tollen Fahrer einzuweisen. Ich kann nur noch den Kopf schütteln über so viel Unvermögen.
Oben angekommen sehe ich ein Sommerskigebiet. Aber da es hier keine Berge gibt, sind es alles Langläufer. Aber was für ein Rummel hier oben. Hier werde ich Thor und Odin nicht unter den ganzen Menschen finden.
Als nächstes geht es auf den Aurlandsfjellet. Eine Umgehungsstraße um den zweitlängsten Autotunnel (bei der Erbauung) der Welt. Die Straße oben drüber kann eindeutig mehr als der Tunnel, braucht aber ein Vielfaches der Zeit, da mal wieder hier nur eine Spur gebaut wurde. Selbst zwei Fiat 500 hätten hier Probleme aneinander vorbei zu kommen. Unten in Aurlandsvagen angekommen schaue ich auf die Uhr, erst 14 Uhr. Ich überlege, wo ich übernachten soll. Da kommt mir eine Idee. Ich fahre jetzt auf die Hardangervidda hoch und penne einfach auf einem der vielen Parkplätze da oben. Super Plan….. nicht.
Die Strecke bis runter nach Hagafoss zieht sich. 80 km den Berg runter, aber schön anzuschauen, wenn man mal etwas sieht bei dem Regen. Von Hagafoss geht es dann nach Geilo (der Ort heißt wirklich so, ist aber nicht so geil), ein ziemlich hässlicher Wintersportort. Von da aus geht es wieder steil bergauf. Oben angekommen erkenne ich eine Schwachstelle in meinem Plan.
Wind!
Ich habe Probleme, die Fahrertür festzuhalten, wenn ich aussteige. Es ist 5°C kalt, und der Nieselregen lässt alles noch kälter wirken. Ich stehe auf einem eigentlich schönen Parkplatz mit absolut fantastischer Aussicht. Der Wind lässt das Auto so wackeln, dass eine Übernachtung absolut nicht möglich ist. Hubstützen wären jetzt die Lösung… Also weiter.
Auf dem Weg nach unten weiß ich, dass ich an einem Wasserfall mit riesigem Parkplatz vorbeikomme, den Voringsfossen. Vier Wasserfälle direkt nebeneinander. Wirklich schön und bisher war immer was los, wenn ich da war… geschlossen… Da stehen Bagger und Baumaschinen jeder Art rum, aber kein Platz, um entweder nur zu parken und sich etwas anzuschauen, oder gar zu übernachten. Also weiter.
Das Glück ist gerade nicht mit mir, entweder voll, oder zu schräg, oder Camping verboten… Es ist zum Mäuse melken. Deutlich später als mir lieb ist komme ich auf einem eher unschönen Parkplatz hinter Voss zum Stehen.
Schnell etwas zu essen gemacht und dann ab in die Falle, auf Blog hab ich ein Bock mehr, also lass ich es. Ich bin am eindösen, da fangen die Jugendlichen neben mit die Party an. Grmpf…. also entweder mitmachen, oder abhauen. Ankacken kann ich die ja wohl kaum auf einem öffentlichen Parkplatz, auf dem nichts kostet. Also weiter. Nach 10km finde ich dann noch einen Parkplatz, ein Platz ist auch noch frei, mich interessiert nichts mehr, also schlafe ich ein.
Der Platz, den ich ausgesucht habe, ist keine 10 m von der Hauptstraße entfernt. Und pünktlich morgens um 6 Uhr geht der Verkehr los… Was haben die Menschen nur gegen Schlafen? Ich bin wach und habe schlechte Laune.
Ich überlege, was ich heute noch machen kann. Mein Ziel ist Bergen, bzw. Bratland, ein kleiner Ort vor Bergen. Weil ich aber gestern aus Versehen so viel gefahren bin, sind es auf direktem Wege nur noch 100 km. Ich kann wohl kaum morgens um 10 auf einem Campingplatz aufschlagen. Als Alternativprogramm zum „Warten“ schaue ich mir noch den Hesjedalsfossen an. Die Straße dahin ist wie immer ein Erlebnis und der Wasserfall selbst ist die Wucht. Außer mir ist auch niemand da.
Der Wasserfall direkt neben der Straße ist von Felsen eingeschlossen und fließt danach direkt unter einer Brücke an der Straße hindurch. Man kann etwas unterhalb eine super schöne Aussicht auf den Wasserfall mit der Brücke genießen. Ein bisschen klettern muss man jedoch.
Jetzt nach Bratland… Kurz vor dem Campingplatz noch etwas zum Essen einkaufen und dann erstmal chillen. Heute mach ich nix mehr…















