Wir haben uns gestern dazu entschlossen, heute einen ruhigen Tag zu machen. Die Strecke für heute ist nur ca. 1,5 Stunden Fahrzeit. Wir bauen natürlich noch ein kleines Highlight ein, sodass wir insgesamt etwa 3 Stunden unterwegs sind.
Es geht zum Hesjedalsfossen. Ein Wasserfall, der vermutlich auf kaum einer Liste bei Touristen ist. Nach dem morgendlichen Kaffee geht es los, erstmal Richtung Bergen.
Wir kommen auf dem Weg an einem an der Straße liegenden Wasserfall vorbei. Wir halten an und es begrüßen uns vier Reisebusse und deren Inhalt. Der Wasserfall ist schön, aber so schön? Anke hilft noch einem italienischen Pärchen mit einem schönen Foto und der Herr will sich bei uns erkenntlich zeigen und auch uns fotografieren. Wir haben also jetzt ein OKisches Foto von uns mit einem Finger im Bild. Lieb gemeint, die Umsetzung hingegen… naja… wir machen dann noch ein Selfie ohne Finger.
Nach etwa einer Stunde biegen wir rechts ab auf eine kleine Straße. Dieser Singletrack Road folgen wir 16 km und Google sagt, wir brauchen dafür 40 min. Google sollte Recht behalten. Maximale Höhe für die Strecke 3,5 m, wir sind 3,2, maximale Länge 12 m, wir sind 5,4 m und maximal 7,5 t, wir haben 3,5 t, das passt also. Wir tuckern langsam vorwärts. Manchmal bremse ich sehr abrupt, weil uns jemand mit Schallgeschwindigkeit entgegenkommt. Die Norweger haben schon eher einen Bleifuß, vor allem auf Straßen, auf denen man eigentlich langsamer fahren sollte. Wir kommen trotz der engen Straße an verschiedenen Siedlungen vorbei, wo wir uns fragen, wie man hier die ganzen Baumaterialien transportiert. Wir fahren auf der kleinen Straße, die an einer Stelle an den Berg geklebt wurde, zumindest fühlt es sich so an, hoch über den darunter liegenden See. Es geht hier locker 100 m steil runter bis zum See. Anke schlägt sich tapfer. Ab und zu kommt mal ein „Das geht hier steil runter“-Kommentar, aber auf der anderen Seite geht’s genauso steil hoch. Schwierig, hier nicht nahe an der Kante zu fahren. Auf der anderen Seite habe ich auch Bedenken, mit dem hohen Bus gegen den Fels zu kommen…
Irgendwann sind wir da. Ein traumhafter Wasserfall, der oben aus zwei Stellen eines größeren Sees, den wir nicht sehen, in die gleiche Schlucht Wasser fallen lässt. Die Gischt bildet eine Wolke, die die Straße und die Vegetation dauerhaft in ein Nass hüllt. Dass es hier regnet, ist eigentlich egal, die Wolke hüllt uns so oder so ein und wir werden im Gesicht auch unter den Kapuzen nass.
Es geht neben der Straße noch weiter runter auf die Höhe des Sees, in der sich der Wasserfall ergießt. Von hier hat man die Sicht auf den Wasserfall mit der Brücke im Vordergrund, deren Seitenwände aus den Bruchsteinen der Felsen geformt wurden. Die Steine sind teilweise in Moos eingefasst und geben der Konstruktion etwas Märchenhaftes. Das Rauschen des Wassers ist noch nicht so laut, dass man sich nicht mehr versteht, aber es ist unüberhörbar und wird nach kurzer Zeit auch nervig.
Wir verlassen diesen Ort wieder auf dem Weg, den wir auch gekommen sind. Jetzt nur noch kurz einkaufen und dann auf den Campingplatz. Die Straße von Voss nach Bergen liegt im Tal, das durch steile Hänge eingefasst wird. Die Landschaft zieht an uns vorbei und die Seen bilden mit dem Gebirge drumherum einen traumhaften Anblick. Der Regen, der uns heute den ganzen Tag begleitet, hüllt die entfernten Berge in einen immer dichter werdenden Dunst. Die immer grauer werdenden Hügel und Berge gehen irgendwann im Hintergrund unter.
Auf dem Campingplatz angekommen, passiert nicht mehr viel. Essen, Hausputz, Wasser ablassen und auffüllen, duschen… und wir verbringen einen ruhigen, gemütlichen Abend.
Für die Kenner unter uns… „Da hinten wird es heller.“ Hatten wir heute wieder einmal öfter.









